Bergherbst

Nach dem ersten Schnee verfärben sich die Birkenblätter goldgelb. Die Lärchenwälder werden zu glühenden Hängen. Die Alpweiden leuchten braunorange.

Der Schnee kommt, und der Schnee geht. Es sind die Tage, wo die Gipfel einmal weiss sind, später wieder silbern. Wir wissen nie, wann er liegen bleibt. Es sind die letzten Tage, wo der Aufstieg zum Gipfel möglich ist. Die Zeit ist knapp, die Tage sind kurz. Ein letztes Mal in die Höhe klettern, in die Weite schauen und sich freuen an der Schönheit unseres Tals.

Wenn die Sonne kommt, strecken wir ihr die Nase entgegen, schliessen die Augen für einen Moment und tanken die Sonnenstrahlen für den langen Winter. Wenn der Schnee fällt, schaufeln wir uns den Weg frei und hoffen, dass die Wiesen rund ums Dorf nochmals grün werden.

Die Ställe werden für den Winter vorbereitet, die Zäune nach und nach abgebaut. Die Tiere ziehen nun langsam aber sicher Richtung Heimstall.

Inzwischen werden die Öfen eingeheizt: Ein Duft von brennendem Tannenholz liegt in der Luft, die Schornsteine qualmen. Abends, wenn es früher dunkel wird, mutet es hinter den beleuchteten Fenstern im Dorf heimelig an. Wir setzten uns aufs Schaffell vor dem Specksteinofen. Wir packen die Stricksachen wieder aus oder nehmen das erste Buch hervor.

Und irgendwann, wir haben es kaum bemerkt, ist es Winter geworden.